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Barrierefreies Intranet für Menschen mit Behinderung

Seit einigen Jahren arbeiten wir für die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal. Ein großer Teil der Stiftung ist der Bereich der Eingliederungshilfe. Hier finden Menschen mit geistigen, körperlichen und psychischen Behinderungen Hilfe und Unterstützung durch die unterschiedlichsten Angebote.

Um auch Menschen mit Behinderungen den Zugang zu den digitalen Möglichkeiten zu ermöglichen und um die Menschen an knapp 50 Standorten zu vernetzen, wurde die designenergie Werbeagentur mit ihren Kooperationspartnern von der wissensWert Gmbh beauftragt ein barrierefreies Intranet für Leistungsberechtigte (so die offizielle Bezeichnung der Bewohner) zu entwickeln und umzusetzen.

Das Thema Inklusion ist im Moment durch das neue Bundesteilhabegesetz in aller Munde. Es geht dabei darum, dass kein Mensch von den gesellschaftlichen Möglichkeiten, auch und erst recht von den Digitalen ausgeschlossen werden darf und soll.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Intranet und Internet?
Das Intranet ist ein Bereich im Internet der durch ein Passwort geschützt wird. Nur wer das Passwort kennt, kann die Seite besuchen. Dadurch, dass man sich in einem nicht-öffentlichen Teil des Internets bewegt, kann man Inhalte im Intranet individuell an die Nutzer anpassen. Es können Dokumente und Arbeitsinstrumente für Nutzer zur Verfügung gestellt werden und es können interne Abläufe von Unternehmen und Einrichtungen hier veröffentlicht werden. Nahezu jedes größere Unternehmen arbeitet mit einem eigenen Intranet, um den Wissenstransfer unter Mitarbeitern zu gewährleisten, Arbeitsabläufe zu skizzieren oder auch Dokumente zur Verfügung zu stellen. Auch Urlaubsplanung, Vertretungsregeln oder Informationen für neue Mitarbeiter finden hier ihren Platz.

Im ersten Schritt haben wir diverse Workshops und Gespräche mit den zukünftigen Nutzern des Intranets durchgeführt. Was wird überhaupt gebraucht, was wünschen sich die Menschen und was ist nützlich und wichtig und was bedeutet Barrierefreiheit überhaupt?

Parallel haben wir geprüft welche aktuellen Methoden und Möglichkeiten existieren, Internetseiten so aufzubauen das sie möglichst frei von Barrieren sind. In unserer Zielgruppe finden sich Menschen, die keine Maus oder andere Eingabegeräte nutzen können, die schlecht oder gar nicht sehen können, die sich nur schwer artikulieren und teilweise auch gar nicht lesen können. Es ist also elementar wichtig das Intranet so barrierearm wie nur möglich zu entwickeln.

Auf der anderen Seite wollen wir aber die aktive Teilnahme der Beteiligten sichern und allen die Möglichkeit geben eigene Inhalte und Erlebnisse im Intranet zu veröffentlichen. Ein ehrgeiziges Ziel.

Nach einigen Monaten Entwicklungszeit haben wir das Intranet allen Bewohnern zur Verfügung gestellt. Im ersten Schritt mit überschaubaren Inhalten, einem durchdachten und einfach zu bedienendem Design und sehr viel unsichtbarer Technik, um die Benutzung des Intranets möglichst einfach zu machen. Die Bewohner der Einrichtungen können über sehr einfach gestaltete Schnittstellen eigene Inhalte, Texte, Bilder und Erlebnisse an die Redaktionen übermitteln. Die Redaktionen, die sich mittels eines Redaktionswettbewerbes gebildet haben, werden sich zukünftig um die inhaltliche Betreuung des Intranets kümmern.

Um den Zugang zum Intranet möglichst attraktiv zu gestalten, wurde ein Fotowettbewerb mit vielen tollen Preisen unter allen Nutzern ausgelobt. Die Einrichtungen haben jeweils Kameras bekommen mit denen die Bewohner unter dem Moto: mein Leben, hier. Ihr Leben und ihre Umgebung fotografieren sollten. Es wurden über 3.000 Fotos aus über 50 Wohnstätten eingereicht. Die Bewohnerjury hat in einem mehrstufigen Auswahlverfahren 10 Gewinnerbilder ausgewählt. In einer großen Preisverleihung wurden die Gewinner gekürt und gefeiert.

Durch den Wettbewerb konnten wir sicherstellen, dass gleich zu Beginn relativ hohe Besucherzahlen im Intranet zu verzeichnen waren und das eine hohe Motivation zur Benutzung entsteht.

Wir freuen uns sehr über diesen erfolgreichen Projektstart! Die großartige Beteiligung der Menschen mit und ohne Behinderung, die Freude „etwas Eigenes“ zu haben, das man gut bedienen kann und die unglaublich lieben Rückmeldungen machen uns stolz und zufrieden.

Was das Intranet-Projekt mit dem Teilhabe-Gesetz (Teilhabe für Menschen mit Behinderung) zu tun hat, kann man in einem Bericht aus dem Diakonie-Portal (vom 12.10.2017) hier nachlesen. https://www.diakonie-portal.de/nachricht/digitale-medien-schaffen-teilhabe-fuer-menschen-mit-behinderung-akzeptanz-verschafft-ein

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